Das Meeburger Wappen / The herald of Meeburg


Das Meeburger Wappen (als großes und kleines Viehbrandzeichen früher in der Nachbarschaftslade aufbewahrt) ist ein Kreuz, das an den äußeren Enden der drei seitlich bzw. aufwärts gerichteten Arme je einen Kreis hat, während am Ende des vierten Armes wiederum ein kleines Kreuz ist (A. A. von Straussenburg: Beiträge zur siebenbürgischen Wappenkunde - Abbildung des Viehbrandzeichens von "Mehburg" herausgegeben im "k. k. privil. Lithografischen Institute zu Hermannstadt" 1826). Nach älteren Angaben der Meeburger ist der Ursprung des Meeburger Wappens auf die Straßenlage des Dorfkerns zurückzuführen: Die drei Arme mit den Kreisen symbolisieren die drei sächsischen Straßen (der Kreis versinnlicht die Kugel vom sächsischen Kirchturm), während der Arm mit dem Kreuz die orthodoxe "Rumänische Gasse" symbolisiert. Verschiebt man letztere etwas (auf der Landkarte), so stellt sie tatsächlich eine Verlängerung der Angergasse dar, so daß ein großes Kreuz entsteht. Das wäre zugleich ein Hinweis für die jahrhundertealte Existenz dieser vier Meeburger Straßen.

Nach der zweiten Variante soll das Meeburger Wappen aus jenem des Schäßburger Bürgermeisters der Jahre 1694-1697 und 1699-1700 namens Johann Schuller von Rosenthal entstanden sein, welcher in Meeburg Grund besaß. Sein Wappen ist ein Arm mit drei aufwärts gerichteten Rosen in der Hand, von einem Kranz und dem Wahlspruch "per spinas, ad rosas" (durch die Dornen zu den Rosen) umgeben - das Wappengemälde ist noch in der Meeburger Kirche am Konfirmandengestühl zu erkennen. Das Muster mit den drei Rosen wurde zu einem Lieblingsmotiv in der Meeburger Möbelmalerei und Stickerei, von den Meeburger Volkskünstlern möglicherweise als eine stilisierte Darstellung des Meeburger Wappens betrachteten (siehe auch den Menüpunkt Volkskunst).

Diesbezüglich berichteten die Gelehrten Fr. Teutsch und Fr. Müller, daß Johann Schuller im Mittelalter als Junge in türkische Gefangenschaft geriet und erst viele Jahre später als Lieblingskind des Sultans befreit wurde. Auf seinen Reisen gelangte er danach bis ins damalige Palestina, von wo er dem siebenbürgischen Fürsten Apafi und dem Kaiser in Wien Rosen mitgebracht haben soll. Darauf wurde er mit dem Beinamen "von Rosenthal" geadelt und erhielt auch das oben beschriebene Wappen (Fr. Teutsch, Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen ..., Bd.II). Das Ende von Rosenthals war aber nicht entsprechend seinem Wahlspruch, der seinen Leidensweg versinnlichte. Denn als Verschwörer gegen das sächsische Volk wurde er schließlich verurteilt und 1700 enthauptet.

Nach M. Schuller, W. Schuster, O. Zerwes:

Meeburg, das siebenbürgisch-sächsische Dorf an der Mädelkoppe,

Wort und Welt Verlag, Innsbruck, 1994